Ich lerne Afrikaans: das Problem mit dem rollenden R

by Klaus on 24. Februar 2011

in Englisch Lernen, Mein Auslandstagebuch

afrikaansJudith und ich haben uns nun endlich dazu durchgerungen zu einem Afrikaanskurs anzumelden. Die nächsten 6 Wochen werden wir also einen Ausflug in die südafrikanische Kultur unternehmen und versuchen, soviel wie möglich von einer der elf Landessprachen Südafrikas aufzuschnappen.

Afrikaans wird hauptsächlich im westlichen Teil Südafrikas und hierbei vor allem im Kap-Gebiet sowie in Gebieten Namibias gesprochen. Es hat eine starke Ähnlichkeit zum Holländischen und damit auch zum Deutschen.

In der ersten Stunde hat uns unser Afrikaans-Lehrer erst einmal die Aussprache einiger Wörter beigebracht. Es ging um kurze Vokale, lange Vokale, Doppelvokale und Diphthonge. Nicht ganz so einfach, da die Aussprache zwar oft dem Deutschen sehr ähnlich ist, es dann aber wieder Fälle gibt, wo es dem Deutschen genau entgegengesetzt ausgesprochen wird.

Aber all das finde ich jetzt nicht so schwer. Ich schlage mich mit einem anderen, wenn auch trivialen, Problem rum.

Für Afrikaans muss man ebenso wie beim Spanischen, Italienischen oder auch Schwedisch, Türkisch oder Russisch das sogenannte „Zugenspitzen-R“ auch bekannt als das „rollende R“ beherrschen, das man im Gegensatz zum Rachen-R im vorderen Mundbereich mit der Zungenspitze bildet. Für einen Franken mag das lächerlich klingen, aber ich weiß einfach nicht, wie ich es hinbekommen soll. Und es macht auch keinen Sinn jemanden zu fragen, der das R rollen kann, denn von denen bekomm ich immer nur die Antwort: na, einfach machen, ist doch ganz einfach: Zunge an den vorderen Gaumen und durch die Luft schwingen lassen! Aha…

Als ich in der Uni spanisch gelernt habe, hat mich dieses Problem des sprachlichen Handicaps schon beschäftigt. Nach einem Semester war aus Zeitgründen aber Schluss mit spanisch und in der deutschen Sprache ist dieser Ton nicht nötig. Doch jetzt stehe ich wieder vor dem gleichen Problem und will es endlich lernen. Ich hab also mal im Internet recherchiert und folgendes gefunden:

Die Schwierigkeit in der Bildung der vorderen R-Vibrante besteht darin, dass sich bei Gaumen-R- Sprechenden die Zungenspitze nie die Muskeln und das entsprechende Muskelmotorik entwickeln konnte, die es braucht, um gelöst und locker diese Schwingungen zu produzieren. Je nach Alter, Geschicklichkeit und Motivation braucht es wochenlanges Üben, um diesen vorde- ren Zitterlaut hervorzubringen, auch ist zum Artikulieren dieses vorne gerollten [r] am Anfang automatisch mehr artikulatorische Energie aufzuwenden ist als für das Gaumen-R.

Na super, das sind ja gute Aussichten. Liebe Eltern, warum habt ihr es mir nicht einfach im Kindesalter beigebracht?! Dann wüsste ich heute, wie ich meine Zunge bewegen muss und würde nicht eine dermaßen hohe artikulatorische Energie aufwenden müssen für etwas, wo ich noch nicht sicher bin, ob ich es jemals erlernen werde. Aber okay, ich verzeihe euch, ihr könnt es ja auch nicht 😉

Auf jeden Fall habe ich einige Tipps im Netz gefunden. Zu erst einmal muss man seine Zunge lockern. Und das ist schon schwer genug. Mit den Tipps aus diesem PDF-Dokument habe ich es immerhin schon hinbekommen, den Zungenanschlag einmal hinzubekommen. Das aber auch nur bei einfachen Worten wie Bruno, Prinz oder Braai.

Da das rollende R an der selben Stelle gebildet wird (kurz hinter den Schneidezähnen am Gaumen) wie das D, T oder L, hat mir folgende Übung geholfen: Einfach das R durch ein D ersetzen und immer und immer schneller sagen: B-duno, B-duno, B-duno. Irgendwann wird das D zu einem R, zu einem einfachen Zungenanschlag am vorderen Gaumen. Wem das zu schwer fällt kann es zu erst mit dem Einschieben des Vokals E versuchen: Be-duno, Be-duno, Be-duno, B-duno, …

Das klappt also schon ganz gut. Muss ich jetzt „nur noch“ das tatsächliche Zungenspitzenflattern hinbekommen, um auch längere R-Laute bilden zu können. Aber bis dahin ist noch ein weiter weg. Außerdem gelingt mir diese Methode bisher auch nur bei Wörtern die mit B oder P anfangen. Keine Ahnung wieso, aber das Wort Traum kommt bei mir nur als hinteres mit dem Zäpfchen zitternden R über die Lippen. Mir geht es einfach nicht in den Kopf wie ich das hintere r nach vorne bekomm. Zu tief ist dieses Bewegungsmuster ins Hirn gebrannt. Anscheinend soll hier helfen das R nicht durch ein D, sondern ein L auszutauschen: T-laum, T-laum, T-laum… Ich übe weiter.

Alternativ zu diesen Sprechübungen kann man es wohl auch direkt über Luftzirkulation versuchen. Zunge vorne an die Schneidezähne anlegen (da wo das T und D gebildet wird), Zungenränder an die Backenzähne anlegen und die Zunge durch den Luftausstoß vibrieren lassen. Dabei soll die muskuläre Vibration der Zungenspitze geübt werden, indem man das hinten gebildete R nach vorne ausstößt… Häää? Bahnhof! Bei mir will das nicht klappen!

Auf jeden Fall soll diese Methode auch dazu beitragen, die Zunge zu lockern. Auf dieser Seite sieht man ganz gut, wie das spanische R in der Theorie gebildet wird. Erst auf spanisch klicken, dann öffnet sich ein Pop-Up Fenster. Hier auf den Reiter „vibrantes“ klicken und die Animationen mit Ton anschauen. Aber ich bin aus den Animationen nicht wirklich schlau geworden.

Ich werde von meinen Fortschritten und unseren Erfolgen beim Afrikaans Lernen berichten.

rollendes R lernen

So einfach: das rollende R lernen (Quelle: uiowa.edu)

Linktipps:

  • Wie wird ein schnarchendes, gurgelndes hinteres R zu einem vorderen rollenden, zitternden, flappenden R? –> Klick
  • Phonetics: The sounds of spoken language (Flashanimationen zum Üben des Zungenspitzen-R) –> Klick

{ 3 comments… read them below or add one }

uli März 1, 2011 um 17:37

Bei mir soll es ja bald mit Spanisch los gehen. Mal schauen ob ich da die gleichen Probleme habe. Zumindest habe ich dann schon ein paar Webseiten zum Nachschlagen – vielen Dank!

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MAts März 6, 2011 um 12:33

hihi, wie sich die Probleme doch ähneln…ich versuche das mit dem Afrikaans jetzt zwar erst seit 2 Wochen und auch noch nicht mit professioneller Hilfe, kann es aber gut nachfühlen…Kopf hoch…es kann nicht so schwer sein…die Jungs und Mädels hier können es ja auch.

Du schreibst übrigens super witzig…Sabine und ich sind erst seit ein paar Wochen hier daher haben wir noch nicht so viele eigene Erfahrungen… wir werden die Tips auf deiner Seite bei Gelegenheit nachleben… :-). Gruß aus Vredenhoek

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Anna Januar 28, 2013 um 21:55

oh wie schade, dass ihr die diskussion nicht weitergeführt habt!

Ich versuche mich auch schon seit einiger zeit am rrrrr, nachdem ich 3 monate in südafrika verbracht habe.

Es hilft auf jeden fall, die schneidezähne zusammenzubeißen und dann zu rollen. wenn ihr die hand vor den mund haltet und ordentlich luft spürt, ist es richtig.
Perfekt ist es bei mir auch noch nicht:/ ;)) LG. anni

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