Air Berlin macht mit Afrika Schluss

by Klaus on 31. Januar 2013

in Tourismus Südafrika

Air BerlinMit Inkrafttreten des Winterflugplans hat Air Berlin die einzige noch bestehende Verbindung ins südliche Afrika gestrichen.

17 Jahren lang wurde die namibische Hauptstadt Windhoek direkt angeflogen, zunächst von München aus, seit Mai 2012 von Berlin. Am 29. Oktober ist dann die letzte Maschine am Hosea-Kutako-Flughafen Richtung Berlin-Tegel gestartet. Air Berlin kündigte an, dass die Strecke auch im Sommerflugplan 2013 nicht wieder aufgenommen werde. Genaue Gründe für das Aus des Windhoek-Dienstes nannte die Fluggesellschaft auf Anfrage nicht. Es hieß lediglich, man prüfe kontinuierlich das Streckennetz hinsichtlich Effizienz und passe es bei Bedarf an. Weitere Auskünfte zur Auslastung der Flüge zwischen Deutschland und Windhoek wurden verweigert. Auch zum Winterflugplan 2013/14 und zu einer möglichen Wiederaufnahme der Route wollte Air Berlin keine Aussage treffen.

Örtliche Reisebüros sprechen vielmehr davon, dass die Verlegung des Abflug- und Ankunftsort in Deutschland von München nach Berlin einen erheblichen Rückgang der Passagiere zur Folge hatte. Air Berlin hatte den Wechsel mit der Begründung vollzogen, in Berlin sein neues Drehkreuz aufbauen zu wollen, von dem aus man bequem in andere deutsche und europäische Städte weiterreisen könne. Dieser Plan ist anscheinend nicht aufgegangen, was wohl nicht nur an der mangelnden Beliebtheit von Berlin als Zielort lag, sondern auch an den massiven Problemen beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg (BER). Vor dem Wechsel des Standortes war man schließlich noch davon ausgegangen, dass der Willy Brandt Flughafen am 3. Juni 2012 eröffnet wird. Der Termin ist nach den Fehlplanungen am BER in weite Ferne gerutscht, die Buchungen auf der Windhoek-Route eingebrochen, was Air Berlin zu einer Reaktion gezwungen hat. Aber anstatt den Flug wieder von München aus starten zu lassen, wurde die Verbindung komplett gestrichen. Es liegt die Vermutung nah, dass hier noch andere Faktoren die Entscheidung beeinflusst haben.

Was steckt wirklich dahinter?

Als Ersatz für die Verbindung zwischen Berlin und Windhoek gibt die Pressestelle von Air Berlin eine Route an, die einen täglich von Berlin oder Düsseldorf über Abu Dhabi und dann weiter mit dem strategischen Partner Etihad Airways nach Johannesburg führt. Allein auf dieser Strecke beträgt die Reisedauer im besten Fall etwas über 18 Stunden und kann sich je nach verfügbaren Anschlussflügen bis auf 33 Stunden ausweiten. Von Johannesburg aus sind es dann noch einmal 2 Flugstunden nach Windhoek. Wartezeit am Johannesburger Flughafen nicht eingerechnet. Für Namibier und Urlaub aus Deutschland wird dieser Alternativvorschlag daher eher ein schlechter Scherz sein. Sie werden dann schon eher Verbindungen über Kapstadt oder Johannesburg direkt nach Europa buchen, anstatt den Umweg über Abu Dhabi zu nehmen.

Mit ein wichtiger Grund für das Aus der Windhoek-Verbindung dürfte daher eine Abmachung mit dem Air Berlin-Anteilseigner Etihad Airways sein, der schließlich auch etwas von dem Kuchen und den Passagieren abhaben will. Air Berlin konzentriert sich offensichtlich vor allem auf das Geschäft in den Westen (was auch die intensive Werbung von Air Berlin für amerikanische Ziele erklärt), während Etihad künftig die arabische Halbinsel, Afrika, Asien und Australien bedient. In dem Zusammenhang ist auch der Wegfall der Direktverbindung nach Bangkok und Mombasa zu sehen.

Das gleiche Spiel ist ein Jahr zuvor auch mit der Kapstadt-Route abgelaufen. Bis April 2011 hat Air Berlin noch einen Direktflug zwischen München und Kapstadt angeboten, der dann trotz guter Auslastung leider eingestellt wurde. Ebenfalls angeblich aus Effizienzgründen…

Windhoek oder auch Kapstadt werden seitdem trotz ihrer Bedeutung für den Tourismus nur noch von sehr wenigen Airlines bedient. Von der namibischen Haupstadt fliegt nach dem Abzug von Air Berlin ausschließlich die staatliche Fluggesellschaft Air Namibia non-stop nach Frankfurt und kann die Preise als Monopolist hoch halten. Von Kapstadt aus gibt es nach Deutschland nur die Direktverbindung nach München mit Lufthansa sowie nach Frankfurt mit Condor. Beide Routen werden jedoch nur während des Winterflugplans bedient. Der bisherige Lufthansa-Flug zwischen Kapstadt und Frankfurt wurde aufgrund des Nachtflugverbots gestrichen und wird jetzt von einer kleineren Maschine über München abgefertigt.

In meinem Bekanntenkreis vernehme ich immer wieder den Wunsch, dass Bedarf nach einer besseren Anbindung besteht. Vielleicht wird ja irgendwann wieder die Air Berlin-Verbindung ab München oder auch Berlin aufgenommen, sollte der Katastrophen-Flughafen tatsächlich einmal seine Pforten öffnen. Das Passagieraufkommen an den Flughäfen in Berlin Tegel und Schönefeld steigt jedenfalls rasant an. Zudem wird der neue Flughafen als drittgrößter Verkehrsflughafen in Deutschland nach Frankfurt und München und als Drehkreuz von Air Berlin künftig eine wichtige Rolle spielen. In den Planungen für BER vom Herbst 2011 gab der Carrier deshalb Windhoek noch als eines von 14 Langstreckenzielen an, wie folgende Grafik zeigt:

Langstreckenziele Air Berlin

Bildquelle: CellarDoor85 (Robert Aehnelt), Creative Commons CC BY-SA 3.0

Das war aber auch bevor die arabische Fluggesellschaft Etihad im Dezember 2011 ihren Anteil von 2,99 auf 29,21 % aufstockte und damit zum größten Einzelaktionär von Air Berlin wurde. So richtig an eine Wiederaufnahme der Strecke kann ich trotz der Bedarfslage also nicht glauben. Da sind die Interessen und der Einflussbereich von Etihad Airways im südlichen Afrika wohl zu groß und wir müssen unsere Hoffnungen auf bessere Verbindungen wohl in andere Fluggesellschaften stecken.

Touristen und Geschäftsreisende, die von Berlin aus ins südliche Afrika reisen wollen, sollten sich daher lieber nicht darauf verlassen, dass Air Berlin die Route zum Winterflugplan 2013/14 oder auch später wieder aufnimmt, sondern müssen bis auf Weiteres mit anderen Fluglinien vorlieb nehmen. Von Berlin Tegel aus fliegen Maschinen über London, Amsterdam und Doha nach Kapstadt. Wer nach Johannesburg will, der kann zusätzlich auch über Abu Dhabi (Air Berlin, Etihad Airways), Kairo (Egypt Air), London (British Airways), Istanbul (Turkish Airlines), Doha (Qatar Airways), Zürich (Swiss Air), Amsterdam (KLM) oder Paris (Air France) fliegen. All diese Verbindungen wird es auch künftig auf dem BER geben, der nach seiner Fertigstellung die bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld ersetzen wird. Nach Windhoek fliegt man am besten über Frankfurt mit Air Namibia oder alternativ mit oben genannten Fluglinien über Kapstadt oder Johannesburg.

Mit welchen Airlines man aus anderen deutschen Städten noch nach Südafrika fliegen kann, habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst.

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