Südafrika Infos

Apartheid in Südafrika

Apartheid in SüdafrikaWas ist Apartheid überhaupt? Viele können mit diesem Begriff nichts anfangen und wissen nicht, dass in Südafrika vor 15 Jahren noch ganz andere Gesetze galten als heute. Apartheid bedeutet soviel wie Rassentrennung und beschreibt die Zeit von 1948 bis 1994, als die burischen Nationalisten in Südafrika regierten und die schon zuvor existierende Rassentrennung mit einer Vielzahl von Gesetzen vorantrieben.

So wurde an öffentlichen Plätzen eine strikte Trennung von Weißen und Nicht-Weißen vorgeschrieben. Mischehen wurden ebenfalls verboten und lediglich die weiße Bevölkerung hatte das Recht zu wählen. Bereits 1950 wurde eine Trennung der Wohnviertel verordnet. Für jede Rasse wurden gesonderte Wohnbezirke errichtet. Während die weiße Bevölkerung in den gut ausgebauten und erschlossenen Innenstädten lebten, wurden Schwarze und Farbige an den Stadtrand in so genannte Townships verbannt, einfachen Vierteln mit Bretterverschlägen fast ohne Infrastruktur. Schwarze wurden in den Innenstädten nur dann geduldet, wenn sie dort auch arbeiteten. Ein Gesetz, das die Bildung der Afrikaner kontrollieren sollte, sah vor, Schwarze lediglich zu körperlicher Arbeit auszubilden und qualifiziertere Berufe den Weißen vorzubehalten. Das Gesetz wurde nach harten Widerständen jedoch wieder zurückgenommen. Dennoch gab es getrennte Schulsysteme mit unterschiedlich qualifizierten Lehrkräften und getrennte Schulen mit unterschiedlich guter Einrichtung und Lehrmaterialen. Nicht nur in Schulen, auch in Banken, Postämtern, öffentlichen Toiletten, Krankenhäusern, Restaurants und Bars, Verkehrsmitteln und an Stränden oder in Parks: überall im öffentlichen Leben und im Dienstleistungsbereich fanden die diskriminierenden Gesetze der Apartheid Anwendung.

Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, der im Zuge der Widerstandsbewegung und im Kampf gegen die Unterdrückung der Schwarzen für insgesamt 27 Jahre als politischer Gefangener inhaftiert war, war maßgeblich an der Abschaffung der Apartheid hin zu einem gleichheitsorientierten und demokratischen Südafrika beteiligt. Bereits in den 70er-Jahren erhöhte sich der internationale Druck auf die nationalistische Regierung in Südafrika. Die lautstarken Proteste der schwarzen Bevölkerung rissen nicht ab, es kam immer wieder zu Aufständen in den Vororten und aus dem ideologischen drohte ein bewaffneter Kampf zu werden. Zudem waren die Kosten der Apartheid mit ihrem gigantischen Verwaltungsaufwand kaum mehr zu tragen. 1973 wurde die Apartheid auf einer UN-Vollversammlung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit geächtet, so dass die burische Regierung reagieren musste: sie näherte sich langsam den Vorstellungen der Schwarzen an. Die schwarze Opposition gewann immer weiter an Stärke, auch wenn ihre politischen Führer weiterhin im Gefängnis saßen.

1994 wurde die Apartheid schließlich ganz abgeschafft und Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt.

Apartheid heute

Seit 15 Jahren ist die Apartheid nun also Geschichte. Doch wo steht Südafrika heute? Ist von der Apartheid heute noch etwas zu spüren und wie hat sich das Zusammenleben zwischen Schwarzen und Weißen geändert?

In Deutschland ist vor knapp 20 Jahren die Mauer gefallen. Dennoch existiert sie in den Köpfen vieler Deutscher noch heute. Und auch die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West was z.B. Arbeitslosigkeit, Lohnniveau und Wirtschaftsleistung betrifft, hinkt hinterher und macht deutlich, dass es Zeit braucht, bis ein Land wieder zusammenwächst.

Ähnlich ist es auch in Südafrika. Zwar haben Schwarze und Weiße auf dem Papier die gleichen Rechte, doch sind die Folgen der mehr als 40 Jahre anhaltenden Rassentrennung auch heute deutlich zu spüren. Noch heute verhalten sich viele Weiße so, als wäre die Zeit im Jahre 1994 stehen geblieben und äußern laut ihre rassisstischen Ansichten: Schwarze seien faul, dumm und kriminell. In der Tat ist die Kriminalität in den Townships deutlich höher als in den Städten, doch ist diese traurige Statistik ein selbst gemachtes Problem: Während die weiße Bevölkerung in den Hochhäusern der Stadt in ihren Büroräumen sitzt, arbeiten Farbige als Parkanweiser, Fahnenschwenker, Bauarbeiter, Putzkraft oder Müllmann und verdienen dafür einen Hungerlohn mit dem sie sich kaum über Wasser halten können. Wenn sie denn überhaupt einen Job haben. Auch die geographische Trennung ist im Jahre 2009 nicht zu übersehen. In Camps Bay wohnt die weiße Oberschicht in ihren von Sicherheitsfirmen bewachten Villen mit Pool und Meerblick während ein großer Teil der schwarzen Bevölkerung Welchblechhütte an Wellblechhütte in den riesigen Elendsvierteln am Stadtrand haust und von Warmwasser, Essen und Arbeit träumt. Zehn Familien teilen sich hier 50 Quadratmeter. Wenn Weiße ein Township betreten, dann nur weil sie an einer geführten Townshiptour eines Reiseveranstalters teilnehmen, der Kohle mit dem Elend dieser Leute verdient. Die Lehrqualität in den Schulen der Townships ist auch heute noch miserabel, kaum ein Townshipkind schafft es an die Universitäten, die eine bessere Zukunft und Profession ermöglichen könnten.

Die sozialen Gegensätze werden einem im Alltag immer wieder vor Augen geführt. Während Weiße ihre Markenprodukte in den Einkaufskorb legen, packen Schwarze sie ihnen an der Kasse in die Tüte. Weiße fahren Luxuskarossen und Schwarze drängen sich zu fünfzehnt im Minibus. Weiße schmeißen ihre Zigarettenkippe auf die Straße und Schwarze rauchen die Filterstummel.

Es gibt nach wie vor “schwarze” und “weiße” Restaurants, Clubs und Bars. Die verschiedenen Rassen sind unter sich und vermischen sich nur selten. Die krassen sozialen Gegensätze und das direkte Nebeneinander von bettelarm und steinreich fördern die Kriminalität, so dass Weiße viele Orte die Schwarze für sich beanspruchen, aus Angst überfallen oder ausgeraubt zu werden, meiden. Dort wo ich Kontakt zu Schwarzen hatte, begegnete man mir jedoch immer mit Herzlichkeit und Wärme und ich habe mich stets gefreut Kontakt mit dunkelhäutigen Einheimischen zu knüpfen.

Rassismus in Südafrika

Immer wieder höre ich Vorurteile von Weißen, die meinen, Schwarze seien faul, kriminell und lägen dem Staat nur auf der Tasche. Die Kriminalität auf den Straßen sei der Preis für die Demokratie, so die Meinung vieler Weißer. Doch ist es nicht die Demokratie und das Ende der Apartheid, sondern die Armut, schlechte Bildung und Arbeitslosigkeit die die Kriminalität ausufern lässt. Die Weißen stehen diesen Problemen, mit denen sich die Schwarzen konfrontiert sehen, oft gleichgültig gegenüber und äußern offen ihre Abneigung gegenüber den Dunkelhäutigen.

Auch bei der schwarzen Bevölkerung gibt es viele Rassisten. Sie sind dies, weil sie noch nicht vergessen haben, was ihnen während der mehr als 40 Jahre anhaltenden Apartheid angetan wurde und machen die Weißen für ihre Misere und Armut verantwortlich.

Neulich war ich im Kino und habe mir dort den Film Jerusalema (oder: African Gangster) angeguckt. Ein wirklich gut gemachter südafrikanischer Gangsterfilm, der in Südafrika ein riesen Erfolg wurde und Rekord um Rekord brach. Als in einer Szene während einer Schießerei ein weißer Polizist ums Leben kommt, fangen die schwarzen Zuschauer um mich rum an zu jubeln und klatschen. Ein gruseliges Gefühl, das mir zeigt, dass der Hass gegenüber den Weißen auch 15 Jahre nach dem Ende der Apartheid noch immer in ihnen glüht.

Ein anderes Erlebnis unangenehmer Art erzählte mir eine Freundin: Sie wollte am Bahnhof in Kapstadt auf einem großen Markt frisches Obst kaufen. In diesem Stadtteil nur unweit der Touristenmeile Long Street entfernt, halten sich überwiegend Dunkelhäutige auf. Als sie sich bei einem Händler Obst kaufte, kam plötzlich ein Schwarzer und begann wild fuchtelnd mit dem Verkäufer auf xhosa, einer der elf südafrikanischen Landessprachen, zu schimpfen. Als sie den Verkäufer fragte, was den los sei und warum er ihn so anschreie, antwortete der Obstverkäufer, dass er sich darüber beschwere, dass er einer Weißen etwas verkauft habe…

Ein weiteres Extrembeispiel macht den Rassismus einiger Weißer deutlich: ein weißer Südafrikaner führte mich durch sein Haus, das er “selber” erbaute. Ich fragte ihn, wie lang das alles gedauert hat, bis es fertig gestellt war. Er erwidert nur trocken: “That’s why God made Niggers…”. Für solche Arbeiten seien die Schwarzen grad gut genug. Und das ganze natürlich zu einem Hungerlohn, weil sie ja ohnehin nicht mit Geld umgehen könnten und aufgrund ihrer Faulheit und schlechten Bildung nicht mehr verdienten. Die Schwarzen seien an der Apartheid doch selber Schuld. Wenn ich solche Sätze höre, kann ich den Hass mancher Schwarzer verstehen, werden sie doch durch solche Sklavenjobs daran gehindert, sich selbst aus ihrer Misere zu befreien und anständiges Geld zu verdienen. Dies wiederrum treibt sie in die Kriminalität, was abermals die Weißen in ihrer Meinung über die Dunkelhäutigen bestätigt. So kann ich ebensogut die Wut eines befreundeten Paares verstehen, als mehrere Schwarze ihre Bude leergeräumt haben. Ein Teufelskreis, denn mit Vorurteilen und Verallgemeinerungen lassen sich die Probleme dieses Landes nicht lösen. Nicht jeder Weiße ist rassistisch und wünscht sich die Apartheid zurück und nicht jeder Schwarze ist kriminell und raubt einen auf offener Straße aus.

Südafrikas erster schwarzer Präsident Nelson Mandela pries Südafrika einst als Regenbogennation. Doch noch heute ist das Land im Süden Afrikas ein schwarz-weißes Schachbrett der Ungerechtigkeit. Der Weg zu einer vereinten demokratischen Nation ist steinig. Doch er kann bezwungen werden, wenn zusammen an den Problemen gearbeitet wird, die das Land zu meistern hat. Es hiflt nichts, wenn Schwarze und Weiße sich gegenseitig ausgrenzen und meiden. Die WM 2010 ist ein guter Anlass für Südafrikaner aller Couleur näher zusammen zu rücken und gemeinsam als ein Volk ihre Nationalmannschaft und das Sportevent zu feiern. Vielleicht können Schwarze wie Weiße bald gemeinsam positiv in die Zukunft Südafrikas blicken um geeint und friedlich in diesem wunderschönen Land zu leben. In einem Land ohne Rassismus und Kriminalität. Man wird ja wohl noch träumen dürfen…

Weiterführende Informationen zum Thema Apartheid


Ähnliche Beiträge:

  1. Apartheid-Gegnerin Helen Suzman gestorben Am 1. Januar 2009 ist Helen Suzman im Alter von 91 Jahren in ihrer Wohnung in Johannesburg gestorben. Sie kämpfte...
  2. Julius Malema – Südafrikas nächster Diktator? Der Führer der Jugendbewegung des “Afrikanischen Nationalkongresses” (ANC Youth League) hat nicht zum ersten Mal Schlagzeilen aufgrund rassistischer Äußerungen gemacht....
  3. Südafrika, was sonst! Südafrika…Südafrika…Südafrika?!?!?! Wundervoll und erstaunlich zugleich, dass allein der Name eines Landes so viel und gleichzeitig so wenig über ein Land...
  4. WM 2010 findet definitiv in Südafrika statt Immer wieder gab es in letzter Zeit Gerüchte, dass die WM nicht in Südafrika stattfinden wird, sondern alternativ z.B. Deutschland,...
  5. FIFA Sitzung auf Robben Island Robben Island Das FIFA-Exekutivkomitee hat sich heute zu einer Sitzung auf der ehemaligen Gefängnisinsel von Nelson Mandela zusammengefunden. Robben...

8 comments to Apartheid in Südafrika

  • JH

    Ein schöner Bericht, nur kann ich deiner Ansicht von der “immer noch bestehenden Apartheid” nicht ganz zustimmen. Durch das BEE haben auch viele Weiße ihre Arbeitsstelle verloren und manche von ihnen leben heute ebenfalls in Armut. Außerdem gibt es inzwischen eine starke schwarze Mittelschicht, die sog. “Black-Diamonds”, welche ebenfalls Luxus-Karossen fahren und in gesicherten Häusern leben.

    Ich will dich nicht beleidigen, aber deine Eindrücke hören sich so ein bisschen vorurteilsbehaftet und nach einer Touristenmeinung an, obwohl natürlich die großen Probleme von Armut, AIDS und Arbeitslosigkeit vor allem in der schwarzen Bevölkerungsgruppe vorzufinden sind.

    Ich muss zugeben, meine Ansichten nach meiner Südafrika-Reise waren garnicht so anders als deine, allerdings habe ich damit begonnen, mich mit Südafrika tiefgehender zu beschäftigen.

    Viele Grüße
    JH

  • Da hast du natürlich Recht, JH. Diese Seite habe ich in dem Artikel nicht beleuchtet.

    Hab ja nicht nur Urlaub in Südafrika gemacht, sondern 8 Monate dort verbracht und werde dort auch nächstes Jahr wieder leben. Dann werde ich mich sicher auch tiefgehender mit dem Land beschäftigen. Ich kam während meiner Südafrika-Zeit eher mit der schwarzen Unterschicht als mit den Black-Diamonds in Kontakt, weshalb dieser wichtige Punkt in meinem Artikel bisher leider fehlt.

    Gerade die Einstellung des Korruptionsverfahrens Zumas, die bevorstehende Wahl und die festgefahrenen Streitigkeiten zwischen ANC und Zuma-Gegnern zeigen ja, dass Südafrika auch noch andere Probleme zu bewältigen hat.

  • L.

    Danke danke Klaus du hast mir das leben gerettet:D
    diese webite ist genau das was ich gesucht habe.
    mein Po/Wi projekt ist gerettet.
    Danke.:D

  • [...] Handelsblatt: Südafrikas letzter Apartheid-Präsident gestorben (01.11.2006) Südafrika-News.de: Apartheid in Südafrika Politik und Gesellschaft: Apartheid Kommentare [...]

  • Basti

    Hi, der Artikel ist gut zu lesen und hat mich in kurzer Zeit über wichtige Facts informiert. Allerdings habe ich noch eine Frage, und zwar ob jemand einige Informationen zu Bildungsstatistiken der letzten 5-10 Jahre hat, das wäre mir sehr hilfreich. schonmal danke und Gruß

    Basti

  • pietr

    Super artikel. Ich kann der Inhalt zwar nicht beurteilen aber ich finde es sehr gut geschrieben mit sprechende Beispiele, informatif und plausibel.

  • Die AuserwäähLtee ;P

    Viiieeeleen Dank ;)

    Dankeschöön Jetzt weiß ich was ich in mein PowerPoint Referat schreibe Dankeeschöön (wer du auch biist ;) )

  • [...] des Landes beiträgt. Besonders wichtig ist dies in einem Land, das durch seine Geschichte der Rassentrennung geprägt wird. Die Teilung der südafrikanischen Bevölkerung in verschiedene Klassen [...]

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

twitter icon