Back in Germany

by Klaus on 11. April 2009

in Mein Auslandstagebuch, Praktikum & Job

Back in GermanyIch bin wieder zurück in Deutschland. Am 1. April 2009 landete ich um kurz nach 6 Uhr morgens in Frankfurt, wo ich schon von Freunden erwartet wurde.

Nach 10 Tagen in Deutschland ist es an der Zeit ein Fazit zu ziehen. Es war ein komisches Gefühl nach 8 Monaten wieder in Deutschland zu stehen. Es ist nun das dritte Mal, dass ich nach einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt wieder nach Deutschland zurückkehre und jedes Mal verließ ich das entsprechende Land mit einem Gefühl der Traurigkeit. Doch dieses Mal fiel es mir besonders schwer. Ich habe mich in Südafrika sehr wohl gefühlt und viele Freunde gefunden, die ich hier in Deutschland sicher vermissen werde. Genauso wie den endlosen Ozean, den Tafelberg, das Wellensurfen und vieles vieles mehr.

Ich bin kein Mensch der Heimweh hat. Ich kenne dieses Gefühl nicht. Sehr wohl weiß ich aber was es bedeutet Fernweh zu haben. Spätestens in ein paar Monaten werde ich wieder das Bedürfnis haben, Deutschland zu verlassen und neue Abenteuer zu erleben. Dennoch freue ich mich nun meine Freunde und Familie in Deutschland wieder zu sehen. In Darmstadt bin ich bereits umgezogen und werde ab Mai hoffentlich zu arbeiten anfangen.

Der Wettergott hat mir dabei geholfen, dass die Temperaturumstellung nicht allzu heftig ausfiel. Seitdem ich in Frankfurt gelandet bin, hatten wir nur gutes Wetter. Der Frühling ist da und seit ein paar Tagen grünen und blühen die Bäume und alles erwacht zum Leben. Das gute Wetter zaubert ein Lächeln auf die Gesichter der sonst eher ernsten und gefühlskühlen Deutschen. Ich hatte mich schon auf Schnee und schlecht gelaunte Leute eingestellt. Glücklicherweise kam es anders.

Vor 8 Monaten landete ich am 8.8.08 in Kapstadt. Es war Winter, doch ich fuhr noch am gleichen Tag mit dem Fahrrad im T-Shirt auf den 350 m hohen Signal Hill und war überwältigt vom Blick auf Kapstadt und den atlantischen Ozean. Das Green Point Stadion, das extra für die WM 2010 errichtet wird, befand sich noch im Anfangsstadium des Baus. Heute sieht es schon wesentlich imposanter aus.

Kapstadt ist eine sehr europäische Stadt. Dennoch merkt man natürlich einen Unterschied zu Europa. Man muss vorsichtiger auf den Straßen sein und sollte nachts nicht einfach allein durch die Stadt laufen. Auch an den Linksverkehr muss man sich erstmal gewöhnen, was mir jedoch aufgrund meiner Studienzeit in Irland keine Mühen bereitete. Man begegnet in Südafrika viel krasseren Gegensätzen als in Deutschland. Die Schere zwischen Arm und Reich ist immens. Trotz aller Armut begegneten die Südafrikaner mir stets mit Herzlichkeit und Wärme. Und das schätze ich an diesem Land. Deutschland dagegen gilt als Land der Meckerer. Immer und überall hört man, wie schlecht es den Deutschen doch geht, wie wenig Geld uns zur Verfügung steht, wie immens hoch die Teuerungsrate und wie dramatisch die Arbeitsmarktentwicklung ist. Nichts anderes mehr in den Medien als Rezession, Wirtschaftskrise und andere negative Schlagzeilen. Warum kann man nicht einfach mal damit zufrieden sein, was man hat? Da könnten sich die Deutschen Mal eine Scheibe von den Südafrikanern abschneiden.

Ich hatte trotz aller Unterschiede keinen Kulturschock bekommen, als ich in Südafrika ankam. Aber ich habe jetzt einen, nachdem ich wieder in Deutschland angekommen bin. Irgendwie fühle ich mich fremd. Die Menschen sind trotz des guten Wetters merklich kühler und miesepetriger. Man wird auf der Straße teilweise wegen Nichtigkeiten angeschnauzt, da kann ich nur den Kopf schütteln und drüber lachen. Ein bißchen mehr Lockerheit würde uns doch mal ganz gut tun.

Neulich war ich einkaufen und habe die Frau an der Kasse gefragt, wie es ihr geht. Rein aus Gewöhnung. Ihr verwirrter Blick auf diese Frage machte mir klar, dass ich in Deutschland angekommen bin. Der Busfahrer hat auch etwas seltsam geguckt, als ich mich beim Verlassen des Busses bei ihm bedankt habe. Hoffentlich hält das gute Wetter weiterhin an, denn ich möchte nicht wissen, wie die Menschen bei 7 Tage Regenwetter drauf sind. Deutschland hat ja nicht nur schlechte Seiten, das ist mir durchaus bewusst. Aber es ist dennoch sehr hart sich nach so einer langen Zeit im Ausland wieder an die deutschen Verhältnisse zu gewöhnen.

Dazu gehören nicht nur die Eigenschaften des deutschen Michels, sondern auch andere Dinge wie z.B. der Straßenverkehr. In Südafrika fahren die Autos auf der linken Seite. Mir passiert es immer noch, dass ich auf der falschen Seite ins Auto einsteige oder bei Rolltreppen zur falschen Seite laufe. Fußgänger gehen in Südafrika auch dann über rote Ampeln wenn vor ihnen ein Polizeiauto steht. Kaum jemand schnallt sich im Auto an. Die reguläre Sitzplatzanzahl sagt in Südafrika nur wenig über die tatsächlich mögliche aus. In den Minibustaxen fahren schonmal 20 anstatt 12 Leute mit. Einen TÜV gibt es in Südafrika nicht. Autos müssen nur dann zu einem Check, wenn das Auto gekauft oder wieder verkauft wird.

Ich hatte während meines Südafrikaaufenthaltes insgesamt 5 veschiedene Autos. Des Öfteren mussten sie ausgetauscht werden, weil sie nicht mehr ansprangen und ich festsaß oder weil bei einem Diebstahl meines Radios die Scheibe eingeschlagen wurde. Einmal hatte ich einen recht heftigen Unfall, bei dem sich mein Auto halb überschlagen hatte. Glücklicherweise ist mir dabei außer ein paar Prellungen nichts passiert. Ein potentieller Beifahrer hätte das Autowrack jedoch kaum lebend verlassen. Das erste Mal von 2 Erlebnissen in Südafrika, bei dem ich für Millisekunden dachte, jetzt ist es vorbei. Zum Glück kam sonst niemand zu Schaden und alles ging gut aus.

Auch werde ich mich wieder an gesalzene Preise gewöhnen müssen. In Kapstadt war ich fast jeden Tag mindestens einmal in einem Restaurant essen. Man kann es sich hier einfach leisten, wie ein König zu leben, denn in Südafrika ist die Kaufkraft des Euros am höchsten. Viele Lebensmittel sind im Supermarkt nicht viel billiger als ein Restaurantbesuch. Vor allem, wenn man alleine wohnt, lohnt es sich kaum zu kochen, wenn man nicht jeden Tag Nudeln oder Reis essen will.

Wie wird es wohl werden, nicht jeden zweiten Tag an den Strand zu gehen und dort den vielen Aktivitäten wie Relaxen, Sonnen, Lesen, Picknicken, Beachvolleyball, Strandtennis, Schwimmen oder Surfen nachzugehen? Ich werde es vermissen gemütlich am Strand zu sitzen und bei einem Glas Wein den Sonnenuntergang zu genießen. Letzteres ist in Südafrika übrigens verboten: Unter freiem Himmel darf kein Alkohol getrunken werden, außer ein Restaurant oder Ähnliches hat eine entsprechende Lizenz. Die Südafrikaner tun dies trotzdem an beliebten Sonnenuntergangsspots.

Ich bin Regen nicht mehr gewöhnt. Ich bin es wirklich nicht. Neulich hat es in Kapstadt nach 3 Monaten purem Sonnenschein und blauem Himmel mal wieder genieselt. Ein komisches Gefühl auf der Haut. Nach dem heftigen Brand in Kapstadt wünschen sich viele Südafrikaner die am Hang wohnen den Regen zurück, damit die Asche nicht bei jedem Windstoß die Wohnung vollpustet.

Im Winter jedoch das genaue Gegenteil – zumindest in Kapstadt, wo dann Regenzeit herrscht. Von Juni bis August fällt der meiste Regen und wenn es dann mal regnet, dann 2 Wochen am Stück und in einer Heftigkeit, die man aus Deutschland nicht kennt. Schön, wenn man dann ein Auto hat, denn Regenschirme kann man bei dem Wetter getrost zu Hause lassen, da sie dem Platzregen ohnehin keine 5 Minuten standhalten würden.

Die Arbeit in Südafrika hat mir sehr viel Spaß gemacht. Meine Kollegen waren super drauf und ich konnte einiges während meines Praktikums lernen. Ich habe so unendlich viele nette Leute und Freunde in Kapstadt kennen gelernt, dass ich mittlerweile fast in jeder deutschen Stadt jemanden habe, wo ich mal unterkommen könnte. Viele werde ich definitiv wiedersehen, entweder in Deutschland oder aber in Südafrika. Denn einige wollen wiederkommen um in Kapstadt zu arbeiten und zu leben. Schon während meines ersten Auslandaufenthaltes nach meinem Abitur keimte in mir der Entschluss nach meinem Studium ins Ausland zu gehen. Mittlerweile war ich weitere 2 Male im Ausland und kann mir gut vorstellen mein Arbeitsleben in Kapstadt zu starten.

Mit meinen Freunden habe ich das Leben in Kapstadt in vollen Zügen genossen und in mich aufgesaugt. Kapstadt bietet unendlich viele Freizeitmöglichkeiten. Man kann die Zeit enspannt am Strand verbringen oder aber in den Wellen auf dem Kite- oder Waveboard. Wenn man mal keine Lust auf den Ozean hat, klettert man eben auf den Lions Head oder Tafelberg und genießt den atemberaubenden Ausblick über die Millionenmetropole am schönsten Ende der Welt.

Auch nachts schläft die Stadt am Kap nie. Ausgiebige Feiern in den genialsten Clubs und Bars, lustige Hausparties und Grillabende… Uns sollte es nie langweilig werden, denn Kapstadt hat nicht nur eine einzigartige Nightlife-Szene sondern auch viele viele Freizeitmöglichkeiten zu bieten.

Die Umgebung von Kapstadt hat ebenso einiges zu bieten: das Kap der guten Hoffnung liegt nur 50 km entfernt und stellt wohl eines der berühmtesten Siteseeing-Spots überhaupt dar.

Nordöstlich der Stadt erstrecken sich die weitläufigen Weingebiete. In Stellenbosch oder Franshoek kann man für wenig Geld die immer populärer werdenden Weine aus Südafrika verköstigen.

Etwa 200 km nördlich von Kapstadt erstrecken sich die imposanten Cederberge. Meiner Meinung eine der schönsten Gegenden in Südafrika. Wer gern wandert und actionreiche Klettertouren liebt, wird einen Trip in die Cederberge nicht bereuen. Die unwirkliche Landschaft und die zerklüfteten Felsen und Höhlen werden euch den Atem rauben. Nach einer anstrengenden Wanderung kann man den Tag dann an den zahlreichen Rockpools ausklingen lassen, sich im Wasser abkühlen oder aus 12 Metern ins kühle Nass springen.

Auch kann ich nur jedem einen Trip auf die Garden Route empfehlen. Die Garden Route erstreckt sich im Süden des Landes zwischen Mossel Bay und Port Elizabeth. Man kann hier im Urwald Kanu fahren, die Big 5 (Löwe, Büffel, Leopard, Elefant & Nashorn) und viele andere wilde Tiere bewundern, den aus 216 Metern höchsten Bungeesprung der Welt erleben, in Jeffreys Bay den weltbesten Surfern zugucken oder sich selbst in die Wellen stürzen. Leider wurde unser Garden-Route Trip tragisch beendet, als wir einen Rettungsschwimmer unterstützen und versuchten 3 Jugendliche vor dem Ertrinken zu retten. Leider waren sie alle schon bewusstlos und es konnte an Land nurnoch ihr Tod festgestellt werden. Das war ein heftiges Erlebnis zu Beginn meines Aufenthalts, da man sich immer fragt, ob man nicht hätte mehr tun können. Doch auch wir hatten soviel Wasser geschluckt und waren mit unseren Kräften am Ende, dass wir selber mit der Angst zu kämpfen hatten, nicht mehr lebend an Land zu kommen…

Das erste Mal in meinem Leben konnte ich meinen Geburtstag, Weihnachten und Silvester im Sommer feiern. Während ihr in Deutschland bei bis zu -20°C gefroren habt, lag ich am Strand und habe mich gebräunt. Schokoladenweihnachtsmänner überleben die Hitze jedoch nicht lange. Und das Wetter hat noch einen Nachteil: der angefressene Weihnachts- und Neujahrsspeck lässt sich am Strand nicht so gut verbergen, wie unter einen dicken Winterjacke… 😉

Nach dem Ende meines Praktikums haben mich mein Bruder Uli und Kumpel Marc in Kapstadt besucht. Wir fuhren im Februar zusammen mit Judith für 2 Wochen nach Namibia auf einen Roadtrip. Ebenso ein wunderschönes Land, das trotz aller Einöde soviele verschiedene Landschaften und Tierarten zu bieten hat, dass 2 Wochen fast nicht ausgereicht haben, um wirklich alles zu sehen. Die meiste Zeit haben wir im Auto verbracht, das hat so ein Roadtrip ja schließlich so an sich. Aber auch actiongeladene Unternehmungen und das Sightseeing kamen nicht zu kurz. Wir hatten eine Menge Spaß und Freude in diesem wunderschönen Land, so dass ich einen Trip nach Namibia nur jedem empfehlen kann. Ausführliche Berichte zu Namibia folgen in naher Zukunft in entsprechender Kategorie.

Aber es war natürlich nicht alles nur schön. Es gibt auch Probleme in Südafrika. Die Kriminalität, die Nachwehen der Apartheid, Armut, Arbeitslosigkeit, Aids und Korruption sind ein paar unschöne Beispiele dafür. Gerade im Zuge der WM 2010 muss Südafrika noch an diesen Problemen arbeiten. Aber es ist schaffbar. Ich freu mich jedenfalls auf die WM und werde vor Ort für Deutschland und Südafrika mitfiebern.

Ich wurde während meiner Zeit in Südafrika glücklicherweise nie überfallen. Wie ich es schon mal in einem Bericht über die Kriminalität in Südafrika erwähnte, hängt das sicher auch damit zusammen, wie man sich gibt. Allzu ängstlichen Leuten ist es schon ins Gesicht geschrieben, dass sie was zu verbergen haben. Wer mit runter hängenden Schultern und auf den Boden gerichteten Blick um die Ecken huscht, der macht durch seine Körpersprache schnell deutlich, dass er wohl etwas hat, was er zu verstecken versucht.

Darüber hinaus sollte man sich natürlich an bestimmte Regeln halten, keine Wertgegenstände offen mit sich rumtragen, abends gewisse Gegenden meiden und im Dunkeln nicht alleine durch die Stadt spazieren. In Johannesburg mag die Lage schon wieder anders aussehen. Dort ist es immer noch sehr gefährlich – auch tagsüber. Aber ich kann an dieser Stelle nur von meinen Erlebnissen und Eindrücken in Kapstadt berichten.

So wurden mir mehrere Handys und mein Fahrrad geklaut. Zum Ende meines Aufenthaltes wurde ich jedoch vorsichtiger und ließ mein Handy abends entweder zu Hause oder passte besser drauf auf. Auch Autos werden immer wieder gerne aufgebrochen. Fast jedes Auto hat in Südafrika einen Diebstahlschutz, doch vor eingeschlagenen Fensterscheiben und geklauten Radios schützen auch diese nicht. Andere Freunde haben schlimmere Erfahrungen machen müssen. Bei ihnen wurde ins Haus eingebrochen und alles geklaut, was nicht niet- und nagelfest war. Glücklicherweise wohnte ich in einer ziemlich sicheren Gegend mit vielen Wachleuten, die auf die Häuser aufpassen. So blieben wir vor Einbrüchen verschont.

Mein Bruder Uli hält nun die Stellung in Kapstadt, wo er ab Mitte April als Global Load Control Agent bei Lufthansa arbeitet. Er wird weiterhin auf suedafrika-news.de über das Leben in Kapstadt und Südafrika berichten. Viel Spaß dabei! ich beneide dich jetzt schon und komm dann im südafrikanischen Sommer wieder 😉

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urlaubshorizont.de April 13, 2009 um 11:06

Super Momentaufnahme von einem individual Reisenden.

Werde diesen Artikel meinenKunden zeigen. Besonders für die ängstlichen. Bin natürlich auch mehrmals in Südafrika, aber leider nie so lange.

weiter so

gruss

Werner

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