Als Michelin-Männchen nach Kapstadt

by Klaus on 15. August 2008

in Mein Auslandstagebuch

Tja, billig war der Flug nach Kapstadt nicht wirklich. Er sollte sogar richtig teuer werden, wenn es nach der Lufthansa-Tussi am Check-In gegangen wäre.

Aber der Reihe nach:
Donnerstag bin ich ausnahmsweise mal früh aufgestanden, weil ich noch einiges zu erledigen hatte, bevor ich am Abend auf die weite Reise gehen sollte.

Musste noch mein Zimmer fertig ausräumen, meine letzten Habseligkeiten in Kartons verpacken und das Zimmer leerräumen, damit Nathalie, meine Nachmieterin, einziehen konnte. Mein ganzes Inventar hab ich auf dem Dachboden verstaut, wo es im nächsten halben Jahr kräftig einstauben wird, wenn Horst nicht doch noch seine Drohung wahr macht und sich ein bißchen Taschengeld auf dem Flohmarkt dazuverdienen will 😉

Um solchen Gepäckschwierigkeiten wie auf dem Flug nach Dublin dieses Mal zu verhindern, hab ich mir die Waage meines Nachbarn ausgeliehen und festgestellt, dass ich schon wieder weit über 20 kg Gepäck dabei hatte. Also nochmal schnell ausgemistet und ein paar Hosen, Pullis und schwere Dinge, die man hier auch günstig erstehen kann ausgepackt. Hab dann in letzter Sekunde meine Straßenbahn bekommen, die jedoch nicht bis zum Hauptbahnhof, sondern eine Haltstelle davor hielt. Also schnell ausgestiegen und schon beim Betrachten der dunklen Gewitterwolken gedacht, dass es gleich losstürmen wird. Einen ersten Tropfen hab ich auch schon abgekommen bevor es nur ein paar Sekunden später in Strömen regnete, dass alles zu spät war. Die nur 300 Meter zum Hauptbahnhof wo mein Shuttlebus zum Flughafen ankommen sollte, haben ausgereicht, um mich bis auf die Unterhose zu durchnässen und natürlich kam dann, als ich mit meinem Gepäck endlich unter dem schützenden Dach der Wartehalle stand die Sonne wieder raus und lachte mich aus. Nur 3 Minuten hätte Petrus ja warten können, bevor er die Himmelspforten öffnet. Aber nein… Das fing ja gut an.

Am Flughafen habe ich mich dann erstmal umgezogen, mir meine Bordkarte besorgt um dann mein Gepäck aufzugeben. Und jetzt fing der Spaß erst richtig an. Ich sags euch, ich fliege nie wieder mit Lufthansa, wenn ich es irgendwie verhindern kann.

26 kg wog mein Koffer. Aber ich machte mir da keine großen Sorgen, da ich nach Dublin und zurück ohne Probleme mit 32 kg geflogen bin und überhaupt noch nie Ärger wegen Übergepäck hatte. Gerade bei Lufthansa hätte ich so eine kleinliche Korinthenkackerei nicht erwartet. Aber wär ja langweilig gewesen, wenn alles nach Plan abgelaufen wäre…

„26 kg sind zu viel. Da muss ich ihnen leider 6kg Übergewicht berechnen, was auf einer Strecke bis nach Kapstadt nach Gepäckschlüssel V 460 € entsprechen würde“. Ich guck sie mit großen ungläubigen Augen an und erkläre ihr erstmal, dass ich dort keinen Urlaub mache, sondern 7 Monate arbeiten und wohnen werde, Arbeitsklamotten dabei habe, die zusätzlich wiegen und sie um ein bißchen Kulanz und Nachsicht bitte. Aber nein, das können sie nicht machen und ich hätte ja auch noch 2x Handgepäck dabei, was eigentlich so auch nicht okay wäre. Ob ich denn allein hier wäre? Ja, bin ich. Kann also auch nichts hier lassen. „Dann bleibt Ihnen, wenn Sie nicht zahlen wollen ganz hart ausgedrückt nur übrig, ihr überflüssiges Gepäck wegzuschmeißen“. Also hab ich es nochmal probiert: „Sehen Sie gute Frau, ich selbst bin recht schlank“ und zeige dabei auf den etwas fülligeren Geschäftsmann 3 Schalter neben mir (füllig war vorsichtig ausgedrückt ein Kompliment für diesen Herrn. Er wird seinen Bauch als Tablett benutzen müssen, wenn er im Flugzeug das Essen gereicht bekommt oder alternativ als Sondergepäck deklariert mit dem Frachtraum vorlieb nehmen müssen), „wenn sie jetzt ihren Übergepäckschlüssel K auch auf Personen anwenden würden, müsste dieser Herr doch mehrere Tausend Euro zusätzlich löhnen. Können Sie da nicht in Anbetracht der Kosteneinsparungen bei meinem Körpergewicht eine Ausnahme machen?“
„Nein, das geht nicht. Ich habe meine Regeln und kann es mir nicht erlauben, dass in meinem Check-In Protokoll steht, dass ich 6kg verschenkt hätte.“

Kann ja wohl nicht wahr sein. „Nagut“, erzähle ich ihr in einem nun unfreundlicherem Ton, „dann mach ich mich halt auch schwer, wenn das Körpergewicht irrelevant für Lufthansa und den Spritverbrauch ist. Wir sehen uns gleich wieder“. Also habe ich erstmal meinen Bruder Uli angerufen, der für jede Lebenslage einen Tipp auf Lager hat. Er sagte mir, ich solle es einfach an einem anderen Schalter probieren.

Doch dort das gleiche Ergebnis, auch wenn mir diese Lufthansa-Angestellte 2kg schenken wollte. „Die restlichen 4kg müssten Sie dann bezahlen“. Ich machte ihr klar, dass ich nicht vorhabe zu zahlen. Jedoch blieb auch sie hart und merkte an, dass ihre Kollegin von vorher eine elektronische Message auf meine Bordkarte geschrieben hat, dass die Lufthansamitarbeiter am Gate bitte mein Handgepäck wegen Übergepäcks kontrollieren sollten. Jetzt wurde ich richtig wütend. Als ob das hätte sein müssen.

Nagut, Plan B, der vorsah, mein Handgepäck zu bestücken, viel nun aufgrund der äußerst netten Aktion der ersten Suppentrulla flach. Also musste Plan C her: Sicher viele Leute wären froh, wenn sie in kurzer Zeit 4 kg abnehmen würden. Ich wollte jedoch zunehmen. Das Zwiebelprinzip kannte ich ja schon vom Flug nach Dublin. Draußen war ein wunderschöner Tag bei 30°C und die fünf übereinander angezogenen Pullies und die in mir aufsteigende Hitze weckten die Lust auf ein kühles Bier. Gut, dass ich an alles gedacht hatte und für meine Vermieter in Kapstadt als Willkommensgeschenk ein deutsches Bier mit Bügelverschluss eingepackt hatte. Also habe ich mich demonstrativ vor meine zwei neuen Freundinnen gestellt und mit einem lauten Plopp das Bier geöffnet, dazu zwei Packungen Gummibärchen und zwei Tafeln Schokolade verspeist. Wie gut, dass ich einen stabilen Magen und viel Zeit mitgebracht habe…

Der Kalorienbedarf für diesen Tag wär also auch schonmal gedeckt. Aber weggeschmissen wird hier nichts. Bei solchen Sachen kommt dann doch noch der Schwabe in mir durch und die verblüfften Gesichter der Lufthansa-Angestellten weckten einen gewissen sportlichen Ehrgeiz in mir. Also packte ich noch alle kleinen und flachen elektronischen Geräte wie Kamera, iPod usw. in mein Handgepäck, um sie nach den Sicherheitskontrollen in die Hosen- und Jackentaschen zu verfrachten. Alles Gewicht, was an sich an meinem Körper befindet ist ein gutes und kostenloses Gewicht!

Nachdem ich mein Mittagessen beendet hatte, konnte ich endlich mein Gepäck abgeben. „Eigentlich haben sie noch 1,5 kg zu viel. Aber ich will mal nicht so sein und habe ihnen ja versprochen 22 kg durchgehen zu lassen. Ich hoffe sie genießen ihren Flug. Beehren sie uns bald wieder.“ „Jaja, laber du nur“, dachte ich bei mir und hab mich artig in leicht sarkastischem Ton für das überaus großzügige Geschenk bedankt und bin um 4,5 kg schwerer abgezogen.

Bei den Sicherheitskontrollen wurde ich dieses Mal nichtmal abgetastet, nur mein Kissen und Laptop mal wieder auf Sprengstoff und Drogen untersucht. Dann endlich saß ich in der Wartehalle, musste eine Stunde warten. Gut aber, dass ich ordentlich Zeit mitgenommen hatte, sonst wär die ganze Aktion etwas in Stress ausgeartet. Kurz musste ich nochmal die Luft anhalten und hoffen, dass mein Handgepäck nicht kontrolliert wird. Der Typ am Gate meinte jedoch nur: „Sie haben aber viel Handgepäck dabei“, woraufhin ich ihm kurz erklärte, dass mich sieben Monate in Südafrika erwarten und in meinen kleinen Koffer nichts mehr reingepasst hatte. Und obwohl nochmal kurz meine Bordkarte eingescannt wurde, wo die Message mit dem Übergepäck drauf gespeichert war, wurde das Gewicht nicht nochmal kontrolliert. „Achso, ja das ist natürlich ein guter Grund. Viel Spaß in Südafrika und einen angenehmen Flug“. Gibt also auch nette Mitarbeiter bei Lufthansa, die ein klein bißchen Verständnis zeigen.

In London hab ich mich dann erstmal entkleidet. Endlich konnte ich die Sache etwas enspannter angehen. Nun hatte ich noch einen 13 h Flug vor mir. Ich versuchte ein bißchen zu schlafen, was mir jedoch nicht wirklich gelang. Also habe ich die ganze Nacht Filme angeguckt. Als die Sonne aufging befanden wir uns gerade über Namibia und ich betrachtete die höchsten Sanddünen der Welt die jedoch 12.000 Meter unter mir nur wie kleine Maulwurfhügel wirkten, bevor der Flieger um halb 10 endlich in Kapstadt landete…

{ 2 trackbacks }

{ 3 comments… read them below or add one }

Rup August 16, 2008 um 15:10

Moin Klaus!

Kannte ja die Geschichte bereits von Skype, aber das hier liest sich nochmal um Längen besser 😀
Hoffe du hast dich gut in die südafrikanische Arbeitswelt eingefunden!

Gruß,
Rup

Antworten

Dirk November 6, 2009 um 19:06

Dude, auf allen Tickets steht drauf, dass 20kg das Maximum ist. Mit welchem Recht ERWARTEST Du, dass sie Dir das Übergepäck schenken? Meistens klappt es ja, aber eben nicht immer. Mit dem Risiko musst Du leben, oder besser planen, oder es eben wie geschehen sportlich nehmen… Aber auf die Airline schimpfen, das zählt nicht.

Antworten

Klaus November 7, 2009 um 13:45

Ich erwarte nicht, dass sie sie mich mit 30 Kilo fliegen lassen, aber die gute Frau hätte ja bei 6 kg schonmal ein Auge zudrücken können, wenn ich für 8 Monate ins Ausland fliege. Das war bisher nie ein Problem und ausgerechnet bei ihr teilt sich die Erde in 2 Hälften, wenn sie 4 kg zu viel eincheckt.

Und selbst wenn sie es nicht durchgehen lässt, muss sie ja nich gleich ne digitale Info auf meine Boardkarte schreiben, dass das Personal vor dem Gate mein Handgepäck kontrollieren soll, damit ich das überschüssige Gepäck nicht dorthin verfrachte. Das fand ich dann schon sehr unnötig und gehässig von ihr.

Aber ist ja alles gut ausgegangen und ich werde auch trotz des kurzfristigen Ärgers über diese Fluggesellschaft sicher wieder mal mit der Lufthansa fliegen 😉

Antworten

Leave a Comment

Previous post:

Next post: