Erste Eindrücke von Kapstadt

by Klaus on 18. August 2008

in Mein Auslandstagebuch, Reiseberichte

Der Pilot meinte im Landeanflug, dass uns schönstes Winterwetter bei etwa 10°C und blauem Himmel erwartet. 10°C, puh, ganz schön kalt, wenn man am Vortag noch dick eingepackt bei 30°C in der Wartehalle im Flughafen-Terminal saß. Die Sonne heizt hier dennoch im Laufe des Tages kräftig ein, sodass das Quecksilber selbst im tiefsten Winter regelmäßig auf etwa 20°C oder mehr klettert.

Während der Fahrt zu meiner neuen Wohnung in Green Point unterhielt ich mich mit einem netten Transferservicefahrer, dem unerwartet sein Kunde abgesprungen war und der mir so einen sehr fairen Preis machte, um nicht umsonst zum Flughafen gekommen zu sein. Er erzählte mir, wo ich unbedingt mal hingehen müsse, zeigte mir berühmte Gebäude und hatte zu jeder Gelegenheit eine Geschichte parat. Er drückte mir am Ende noch seine Karte in die Hand und meinte, ich solle jederzeit anrufen, wenn ich irgendwelche Fragen hätte. Vielleicht wollte er nur Werbung machen, dennoch ist der erste Eindruck der Südafrikaner schonmal äußerst positiv.

Zuhause angekommen, erwartete mich auch schon Anel, meine Vermieterin. Sie zeigte mir kurz das Haus, lud mich für den Nachmittag auf einen Kaffee ein und ließ mich dann erstmal schlafen. Denn Schlaf hatte ich bitter nötig nach den letzten zwei Tagen. Mein Zimmer ist ziemlich groß und hat ein Südfenster. In Deutschland wäre ein Südfenster was Tolles, hier genau das Gegenteil, da die Sonne tagsüber im Norden steht. Ist im Sommer jedoch ganz angenehm, da sich dann das Zimmer nicht so aufheizt. Momentan ist es morgens jedoch noch ziemlich kalt, da die Wände hier auch nicht so massiv sind, wie man das von Deutschland gewöhnt ist.

Hab dann am Nachmittag noch die Tochter und meinen Vermieter, Patrick, kennen gelernt. Sind alle drei sehr nette Leute und wir haben den Abend mit Braai und einem guten Wein verbracht.

Bin abends relativ früh ins Bett, weil mir der Flug noch in den Knochen steckte. Samstag bin ich dann schon früh morgens mit Pat losgezogen, der mir erstmal ein paar wichtige Läden und Kneipen gezeigt hat. Schon morgens um 9 lebt die Stadt und im Sommer soll das noch viel krasser sein. Bin dann später mit seinem Rad an die Victoria + Alfred Waterfront gefahren, ein riesiges Einkaufszentrum am Hafen mit guten Restaurants und Bars und hab mir erstmal ein Handy gekauft. Obwohl Kapstadt gerade innerhalb des letzten Jahres ziemlich teuer geworden und überhaupt einer der teuersten Gegenden in Südafrika ist, kann man dennoch recht günstig essen und weggehen. Überall sieht man an der Waterfront Straßenmusiker und Künstler und kann hier so den ganzen Tag mit Shoppen, Flanieren und Feiern verbringen.

Das Wetter war einfach herrlich. Bei bestem Sonnenschein bin ich im T-Shirt mit dem Rad auf den Signal Hill gefahren und hab dabei die atemberaubende Landschaft genossen. Endlich oben angekommen hab ich die Bekanntschaft mit ein paar anderen Deutschen und anderen komischen Vögeln gemacht…
Man sieht von hier das sich noch im Bau befindende Green Point Stadion, die Innenstadt, die Waterfront und Robben Island, die Insel auf der Nelson Mandela einst 27 Jahre gefangen gehalten wurde. Auf dem Signal Hill wird jeden Werktag um Punkt 12 eine Kanonenkugel abgeschossen, die in der ganzen Stadt zu hören ist. Wer also keine Uhr hat, kann sich daran recht gut orientieren und wird zudem gleich an die Mittagspause erinnert. Als die Sonne um kurz nach 6 unterging, wurde mir auf einmal wieder klar, dass wir Winter haben. Abends wird es dann doch noch ziemlich kühl. Aber im Pulli oder leichter Jacke ist das gut auszuhalten. Wer den Winter hasst, ist in Kapstadt also gut aufgehoben. Zwar regnet es ab und an, dann auch sehr sehr heftig, aber das ist im Frühling bis Herbst eher seltener der Fall, da das Gebirge die Stadt wie ein Bollwerk vor den schweren Regenwolken schützt. Und bald wird es Frühling. Die winterliche Regenzeit ist glücklicherweise schon vorbei :)

Bevor ich wieder nach Hause gefahren, hab ich mir nochmal kurz angeguckt, wo ich arbeiten werde. Ziemlich am Anfang des Innenstadtsbereich, nur 10 Minuten mit dem Rad oder 20 Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt.

Der Linksverkehr hat mich dieses Mal vor keinerlei Schwierigkeiten gestellt, bin ich das ganze doch noch von Dublin gewöhnt. Nur an die Fahrweise der sogenannten Minibusse, kleine Taxis, die in so wenig Zeit wie nötig so viele Leute wie möglich von A nach B transportieren wollen, sollte man sich als Fußgänger und besonders auch als Autofahrer anpassen. Nehmen sie doch keinerlei Rücksicht auf Niemanden. Normalerweise gilt hier der Grundsatz: Wer zuerst an einer Kreuzung ohne Ampeln steht, darf auch fahren. Aber Minibussen sollten man generell Vorfahrt gewähren, sonst nehmen sie sich diese einfach. Vorteil ist dabei allerdings dass man für eine Fahrt im Minibus bis in dei Stadt auch nur 50 Cent zahlt.

Unterwegs wird man auf den Straßen immer mal wieder von allerlei komischen Leuten angesprochen. Bettlern, kleinen Kindern, Drogendealern. Man lernt hier schnell die in Deutschland anerzogene Höflichkeit abzulegen. Wer versucht freundlich darauf hinzuweisen, dass man kein Interesse an einer bestimmten Ware hat, der zieht die Aufmerksamkeit der Straßenverkäufer oder Bettler erst recht auf sich und sie lassen nicht mehr von dir. Das einzige wirksame Mittel ist es, sie komplett zu ignorieren und erst garkein Gespräch mit ihnen anzufangen, egal wie traurig der kleine Junge guckt. Das Geld landet sonst ohnehin nur beim großen Bruder, der das Geld in Drogen investiert um sie gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Letzten Samstag habe ich nach der ersten anstrengenden Arbeitswoche erstmal ordentlich ausgeschlafen und bin dann um 13 Uhr bei bestem Frühlingswetter mit meinem deutschen Mitbewohner Tobi und seiner südafrikansichen Freundin Smiralda nach Camps Bay gefahren. Dort haben wir uns in einer super angesagten Bar, von der man einen wunderschönen Blick auf den Atlantik hat, mit lauter netten Leuten und hübschen Mädels das Rugbyspiel Südafrika gegen Neuseeland angeguckt, das die südafrikansiche Mannschaft leider verloren hat. Die Gäste waren schon zur Mittagszeit alle total gut drauf, haben Cocktails und Bier getrunken und sich amüsiert. Überhaupt ist mir aufgefallen, dass hier in Kapstadt zuerst das Leben und das Vergnügen und dann die Arbeit kommt. Anders als in anderen Ländern lebt man hier nicht um zu arbeiten, sondern arbeitet um zu leben.

Am Sonntag bin ich schließlich mit Joha und ein paar anderen Deutschen auf den 600m hohen Lion’s Head gewandert, wo wir uns den Sonnenuntergang anguckten. Guckt euch einfach die Fotos an. Bilder sagen mehr als tausend Worte. Das ist südafrikanischer Winter…

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