8 fiese Maschen südafrikanischer Betrüger

by Klaus on 29. Oktober 2008

in Alltäglicher Wahnsinn, Mein Auslandstagebuch

Geld verdienen in Südafrika Seit ich in Südafrika angekommen bin, hab ich so einige Methoden kennen gelernt, wie man andere Leute um ihr Geld bringen kann. Die einfachste Möglichkeit ist es natürlich, die Leute abzurippen. Aber wir wollen hier mal von Betrügermaschen reden, bei denen es darum geht in bester Kettenbrief-Manier den Gegenüber davon zu überzeugen, dass man unbedingt Geld braucht – und zwar sofort.

Top 8 der Betrügermaschen

1. Der Geschichtenerzähler

An der Tankstelle redet dich jemand an, der seinen Geldbeutel zu Hause vergessen hat, aber noch unbedingt nach Hause muss, weil seine Frau krank ist und die Tankstellenangestellten ihm kein Benzin geben wollen, nicht mal gegen eine Pfandhinterlegung. Bist du der edle Samariter, der sich erbarmt und ihm 2 Liter Benzin sponsert?!

Die verschärfte Variante: Jemand kommt dir mit einem Benzinkanister unterm Arm in der Stadt entgegen und bittet dich um eine kleine Spende aus den gleichen Gründen. Nachdem ich kurz in meine beiden Taschen gegriffen und rumgekruschtelt habe, meine ich nur: „Sorry, unfortunately I have no fuel with me“ und ziehe weiter.

2. Die Masche mit der Freundlichkeit

„Captain, Captain. Sir, you have a nice bike“: Manche versuchen es mit Komplimenten in der Hoffnung, dass man etwas Geld abdrückt. Nur was interessiert mich mein Fahrrad?! Hauptsache ich komme voran damit. Und außerdem wurde es ohnehin schon geklaut. Selbst wenn man sie ignoriert, rufen sie dir hinterher: „God bless you, bru“.

3. Die Mitleidstour

Meistens durchgeführt von kleinen 10 jährigen Jungs aus den Townships, die von ihren großen Brüdern losgeschickt werden, um Geld für Drogen zu besorgen, die dann gewinnbringend auf der Straße verkauft werden. Sie stehen entweder an einer Kreuzung oder laufen dir auf der Long Street nachts hinterher, bis sie endlich verstehen, dass man ihnen nichts gibt: „We are so hungry. Please Captain, do you have some change for us?!“ Gebt ihnen niemals Geld, egal mit welch traurigem Hundeblick sie dich angucken. Damit finanziert man nur die Drogenszene und füllt den Geldbeutel der großen Dealer. Wenn ihr was zu essen habt, könnt ihr es den Jungs gerne in die Hand drücken. Manche lassen dann ihre Maske fallen und lehnen ab, andere freuen sich darüber.

4. Die aufdringliche Art

Sie laufen dir hinterher und labern dich zu. Auch wenn du sie ignorierst. Das kann nachts teilweise schon ganz schön unheimlich werden. Wenn sie nicht von dir lassen, hilft oft eine laute und bestimmte Aufforderung einen in Ruhe zu lassen. Am besten auf Afrikaans: „Dsy ken nie vi my nie!!“, was soviel bedeutet wie: „Du kennst mich nicht (weißt also auch nicht, wie ich reagiere, wenn du mich weiter belästigst), also verschwinde und lass mich in Ruhe“.

5. Der Bittsteller

Ähnlich dem Geschichtenerzähler ist dieser Bittsteller perfekt vorbereitet. Er spricht dich im Vorbeigehen an und drückt dir einen Brief in die Hand, bittet dich ihn zu öffnen. Tust du das nicht, öffnet er den Brief und liest ihn vor. Er erzählt dann irgendwas von Ausreise nach Kenia zu seiner kranken Schwester und dass er Geld bräuchte und wie schlecht es ihm und seiner Familie doch gehe. Ich habe ihm kaum zugehört und ihm zu verstehen gegeben, dass ich nicht interessiert bin und ihm nicht helfen könne. Damit habe ich ihn relativ schnell abgewimmelt.

6. Der Straßenverkäufer

„Looki, Looki, very good Product this is. For you only a 10 Euro. Goodi goodi, very nice“

Wer kennt sie nicht, die Strandverkäufer an den südeuropäischen Stränden? Hier in Kapstadt wirken sie etwas professioneller, sprechen besseres Englisch und sind einfach cooler. Aber trotzdem überaus nervig. Wage es niemals den Verkäufern auch nur ansatzweise in die Augen zu gucken. Das werten sie sofort als Interessensbekundung und lassen nicht mehr von dir, bis du fast schon handgreiflich wirst. „Nein, ich brauche keine zweite Sonnenbrille und auch gerade keinen Elefantenfuß zum Schuhe zuknoten“. Erzähle Ihnen niemals, dass du aus Europa kommst, sondern versuche ihn auf andere vermeintlich interessierte Kunden aufmerksam zu machen: „Do you see this Guy over there? He comes from Great Britain and seems really interessted in stuff like that“. Eine fiese, aber wirksame Masche 😉

7. Die „Ich wurde ausgeraubt“ – Masche

Jemand hält dich auf der Straße an. Meistens jemand, der sich selber als Tourist ausgibt, dessen Fassade dann aber im Laufe des Gesprächs schnell zu bröckeln beginnt, denn dieser vermeindliche Tourist weiß Dinge, die er garnicht wissen kann.

Ein Amerikaner mit einem offensichtlich amerikanischen Akkzent kam zu mir und wollte mir weiß machen, er und seine 3 Mitreisenden wären in einem Minibus ausgeraubt worden. Sämtliche Papiere, Geld und Handy seien gestohlen worden. Ich nutze den Minibus jetzt schon seit 2 Monaten und mir ist bisher noch nichts passiert. Natürlich sollte man etwas auf seine Wertsachen aufpassen und diese im Minibus nicht zur Schau stellen, aber generell halte ich diese Art der Fortbewegung für relativ sicher.

Der arme Tourist jedenfalls wurde ausgeraubt, blickt traurig drein und schimpft über das Land, die Leute, den Hass, den amerikansichen Touristen entgegen gebracht wird. Es ist Sonntag, das Konsulat habe geschlossen und er müsse noch unbedingt nach Stellenbosch, das Ticket dorthin koste nur 19 Rand pro Person. Bitte, bitte, ob man ihm nicht helfen könne. Er zeigt einem seine Rolex-Uhr, er habe genug Geld, würde es einem zurückgeben, sobald wie möglich. Woher er die Rolex wohl hat? Sind wohl schon einige Leute auf ihn reingefallen oder er hat sich die „Rolex“ einfach bei den Leuten mit Methode Nr. 6 gekauft 😉

Er fragt weiter, wo man denn wohne? Niemals die genaue Adresse angeben, sonst findet man sich nachts schnell gefesselt in der Wohnung, während der nette Tourist die Bude ausräumt!
Obwohl er erst seit 2 Tagen im Land ist, kennt er sich bestens in Kapstadt aus. Er scheint es nicht eilig zu haben, bleibt bei einer Hundeshow an der Waterfront stehen. Als ich ihn frage, ob seine 3 Kollegen nicht warten, meint er nur, ja, kannst du mir jetzt das Geld geben? Ich gebe dir 80 Dollar zurück, behalte den Rest als Dankeschön. Schon schreibt er mir seine Email-Adresse auf. Dass darunter niemand zu erreichen ist, ist mir klar. Aber ich treibe das Spiel weiter, gucke mich um, passe auf, dass immer Leute in der Nähe sind, nicht dass ich noch ausgeraubt werde. Er fragt mich, ob ich denn noch nichts Schlimmes hier erlebt hätte, versucht Vertrauen aufzubauen.

Ich erzähle ihm von meinem Autounfall, von meinen 2 gestohlenen Handys, meinem gestohlenen Fahrrad und was mir halt alles passiert ist. Seltsamerweise weiß er genau bescheid, wann und wie das mit den 3 ertrunkenen Jungs passiert ist, er habe es in der Zeitung gelsen. Komisch, ist er doch erst seit 2 Tagen hier?!

Als er mich wieder auf das Geld anspricht, frage ich ihm nach einem Vertrauensbeweis, hole meine Kamera raus und stelle als Bedingung auf, dass ich ein Foto von ihm machen kann, dass ich dann der Polizei zukommen lassen würde, sollte ich das Geld nicht zurück bekommen. Hab selten jemand so schnell flüchten sehen 😉

8. Mutter braucht Hilfe

Diese Story hat mir Sylvana erzählt:

Also gestern kam eine junge Frau in den Gardens zu uns und fragte, ob sie sich zu uns setzen dürfe… Sie meinte sie ist nicht verrückt oder so (neeeeeeeein!), sondern sie hat ein wirklich ernsthaftes Problem… Da wurden wir ja dann langsam hellhörig und warteten gespannt, was sie uns denn für eine Story auftischen wird.

Also… Sie sagte ihr Freund hätte sie heute Morgen rausgeworfen (ohhhhh, Mitleid!) mit nichts, außer dem was sie gerade bei sich hat… Unglücklicherweise hat sie nur 20 Rand bei sich und kann natürlich auch kein Geld abheben, da leider keine Karte dabei. Jetzt muss sie aber unbedingt nach Hause zu ihrer kleinen Tochter, die sehnsüchtig auf Mamis Rückkehr wartet… Leider leider können wir sie aber nicht nach Hause fahren (schade!), denn sie kommt gar nicht aus Kapstadt (mal was ganz Neues!). Sie muss also den Bus nehmen… Der ganze Spaß würde sie insgesamt ca. 80 Rand kosten… Ob wir ihr nicht bitte bitte bitte etwas aushelfen könnten (große Hundebabyaugen, klimper klimper)… Sie meinte, sie würde sich auch revangieren, z.B. unsere Wäsche waschen oder mit unserem Hund Gassi gehen o.ä.

Wie auch oben, einfach ignorieren und sagen, dass man als armer Student selber kein Geld hätte. Wahrscheinlich hätte die Frau das Geld ohnehin nur in ihre Drogensucht investiert…

Fazit

Immer aufpassen. Glaubt niemals irgendwelche Geschichten. Erzählt niemandem, wo ihr wohnt, gebt keine Kontaktdaten wie Handynummer oder E-Mail-Adresse heraus, holt niemals euren Geldbeutel heraus, denn viele wollen nur sehen, ob man ein lohnendes Opfer ist.

Die Betrüger sind immer auf euer Mitleid aus und wollen euch weißmachen, sie seien selber Opfer irgendwelcher Betrüger oder Diebe. Diese Leute einfach ignorieren und erst garkein Gepräch mit ihnen eingehen. Ich habe das selber nur aus investigativen Gründen getan, um euch Leser und potentielle Südafrika-Besucher zu sensibilisieren, damit ihr nicht auf diese Methoden reinfallt.

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