Kriminalität und Sicherheit in Südafrika

by Klaus on 3. September 2008

in Mein Auslandstagebuch, Wissenswertes

Nach fast einem Monat Südafrika möchte ich mal meine ersten Eindrücke zum Thema Kriminalität und Sicherheit in Südafrika loswerden.

Bisher wurde mir ein Rad und letzten Samstag auf der Longstreet mein Handy geklaut. Hoffe dabei bleibt es. Aber so macht man seine Erfahrungen und lernt, dass man eben gewisse Regeln beachten sollte: Lass dein Rad nicht nach Einbruch der Dunkelheit in der Stadt rumstehen und pass auf der Longstreet auf, dass du keine Wertsachen in deinen Jackentaschen lässt.

Als ich Samstag Nacht um 4 Uhr aus der Zulabar ging, hat es heftig geregnet. Also wollte ich mir noch eine Art Hot Dog am Braaistand holen, die dort nachts immer angeboten werden. Unter dem Stand haben sich die Leute eng gedrängt und dort muss mir dann jemand mein Handy aus der Jackentasche geklaut haben, denn als ich den Club verlassen hatte, war es noch da und später im Taxi bemerkte ich dann den Verlust des Handys.

Naja, war jetzt nicht so dramatisch. Schade nur um die Nummern von den zwei Mädels, die ich Samstag Abend kennen gelernt hab 😉
Hab mir dann am Sonntag gleich ein neues Handy gekauft, weil ich mich ohne Handy doch etwas von der Welt abgeschnitten fühlte. Wenigstens kost das hier nich so viel. Weiß garnicht wie wir das früher ohne Handy und Internet gemacht haben?!

Mein ADAC Reiseführer meint zum Thema Sicherheit in Südafrika: „Die Innenstädte von Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt sollten nach Geschäftsschluss und an Sonntagen möglichst gemieden werden. (…) Von Fahren per Anhalter und mit Minibustaxis wird dringend abgeraten“. Uuups. Naja, schön, dass sie davor warnen, aber die meisten Clubs und Bars befinden sich nunmal in der Innenstadt und wer geht schon vor Gechäftsschluss aus? Außerdem kann ich als Praktikant ohne Einkommen auf die Nutzung der Minitaxen nicht verzichten. Für 5 Rand kommt man von den Vororten in die Innenstadt und zurück. Das sind gerade mal 50 cent. Weitaus billiger als eine Kurzstrecke in Stuttgart, die poplige 3 Haltestellen gilt…

Die Minitaxen haben etwa die Größe alter VW-Busse und das Ziel in möglichst wenig Zeit möglichst viele Leute auf festen Routen von A nach B zu bringen. Dementsprechend eingequetscht sitzt man in den Bussen und fährt mit einem Affenzahn und zu lauter Musik und ständigem Hupen und Pfeifen durch die Innenstadt, was die Passanten auf die Busse aufmerksam machen soll und somit eine Art der Kundenakquise darstellt.

In der Hauptverkehrszeit fährt etwa jede halbe Minute eines dieser Taxen an einem vorbei, was aus dem Grund eine äußerst schöne Möglichkeit ist ohne große Wartezeiten Distanzen zu überbrücken. Die Minibusse werden überwiegend von der schwarzen Bevölkerung genutzt, was wohl neben der erhöhten Unfallgefahr aufgrund fehlender Gurte und dem rasanten Fahrstil mit verantwortlich für die Warnung im Reiseführer ist. Ich jedoch denke, dass Minibusse eine relativ sichere Möglichkeit darstellen, um schnell in die Stadt und zurück zu kommen und werde diese Transportmöglichkeit auch weiter rege nutzen. Es ist sicher nicht ungefährlicher mit dem Rucksack und Laptop 20 Minuten zum Büro zu laufen. Passieren kann einem überall was… Und wie sagt meine Mutter immer? Genauso gut könnte mir auch ein Stein auf den Kopf fallen. Dann dürfte man das Haus garnicht mehr verlassen. Doch passieren nicht gerade zu Hause die meisten Unfälle?!… Eben. Aber mal ehrlich:
Unbestritten ist es, dass Südafrika eine höhere Kriminalitätsrate als Deutschland verzeichnet. Aber deshalb muss ich mich ja nicht in meiner Bude verkriechen. Man sollte gewisse Regeln beachten und nicht leichtfertig mit seinen Habseligkeiten umgehen und darauf verzichten seine Besitztümer in der Öffentlichkeit zur Schau zu tragen. Dann ist man zwar noch lange nicht sicher vor Überfällen, aber man präsentiert sich wenigstens nicht als lohnendes Opfer.

Außerdem bin ich der Meinung, dass Leute, die sich ständig einen Kopf über das Thema Sicherheit machen und hinter jeder Ecke einen bösen schwarzen Mann vermuten, der ihnen was Böses will, viel eher eine Opferhaltung einnehmen als Menschen, die selbstbewusst und aufrecht durch die Straße laufen. Man soll nicht leichtsinnig werden, sollte sich der angespannten Sicherheitslage in Südafrika bewusst sein, aber man muss ja nicht jedes Mal zusammenzucken, wenn einem ein Coloured begegnet. Die Täter spüren die Angst und greifen sich dann natürlich eher diese leichten Opfer heraus.

Wenn man doch mal überfallen werden sollte, dann sollte man nicht versuchen den Helden zu markieren und sich somit einer körperlichen Gefahr aussetzen. Gebt den Tätern euer Geld und euer Handy. Sie sind nicht daran interessiert euch zu verletzen. Also sollte man dies auch nicht provozieren. Eure Gesundheit ist wichtiger als materielle Dinge!

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Inge September 4, 2008 um 15:58

Und wie sagt meine Mutter immer? Genauso gut könnte mir auch ein Stein auf den Kopf fallen… bzw. grundsätzlich ist zu leben gefährlich.

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Berthold Gottschalk April 5, 2010 um 21:13

Als ich in der Waterfront von Kapstadt in Reih und Glied wartend vor einem der Geldautomaten stand, wurde mir von einer hinter und einer vor mir stehenden Person ein Gespräch aufgezwängt. Hierbei gelang es der vor mir stehenden Person, mir meine, in der Faust bereitgehaltene Kreditkarte – ohne dass ich dies bemerkte – aus dieser heraus zu fingern. Nur der Aufmerksamkeit meiner abseits stehenden Begleiterin hatte ich es zu verdanken, den Dieb noch vor Ort zu stellen. Später erfuhr ich dann von einer Sicherheitskraft, dass dieses Unterfangen für mich nicht ungefährlich war, denn häufig reihen sich organisierte Bandenmitglieder – die keine Scheu vor Gewalt haben – in die Reihen der Geldabheber ein. Die Chance, in RSA Opfer einer Gewalttat zu werden halte ich angesichts der hohen Arbeitslosigkeit von vierzig Prozent und der damit einhergehenden Perspektivelosigkeit der von Armut geprägten Täter, für sehr wahrscheinlich.

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Harald G. Mai 24, 2010 um 17:52

Der hat ja einen an der Pfanne! Gebt ihn euer Geld und Handy! Ja der Kriminalität noch vorschub leisten! Ein Messer ins Gesäss ist die richtige Antwort.

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W4yne Oktober 28, 2011 um 14:16

Wir wurden bei unserer Reise durch Südafrika davon verschont. Sind mit dem Auto an der Garden Route entlang, aber Auto, Inhalt, Gepäck, Wertsachen und Menschen zum Glück ohne Verlust und Schaden. Aber mit „nur“ nem alten Handy hat man ja noch Glück ;).

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