Mein erstes Mal in Afrika

by Klaus on 13. Oktober 2010

in Mein Auslandstagebuch, Reiseberichte

afrikaEine Freundin von mir hat mich gefragt, ob ich nicht ihr neues Schreibprojekt auf meiner Seite vorstellen könnte und dem komme ich gerne nach. Die Seite mit dem Namen Mein erstes Mal richtet sich zwar grundsätzlich an Frauen jeden Alters, doch auch Männer, die es interessiert wie Frauen so ticken, sollten jetzt weiterlesen.

Auf meinerstesmal.org tauschen sich Frauen über bevorstehende und ungewohnte Situationen und Erlebnisse aus, entweder um anderen die Angst vor diesen Situationen zu nehmen oder um die eigenen Erlebnisse zu verarbeiten. Die Webseite ist so etwas wie ein Tagebuch, in dem Frauen ihre Gefühle, Gedanken und Geschichten zu ihrem ersten Mal (mein erster Kuss, meine erste Affäre, meine erste Periode, …) mit anderen teilen und diskutieren können.

Wer mehr wissen will, der surfe bitte weiter zu meinerstesmal.org. Vielleicht möchte ja auch eine meiner weiblichen Leserinnen eine Geschichte von ihrem ersten Mal beitragen. Selbstverständlich wird jede Geschichte 100% anonym behandelt. Hannah freut sich über jegliche Beteiligung, sei es in Form von neuen Geschichten zum ersten Mal, der Teilnahme an Diskussionen oder auch stillen Mitleserinnen.

Damit dieser Beitrag nicht ganz off-topic ist, habe ich mir gedacht, dass ich hier einmal von meinem ersten Mal in Afrika berichte. Anders als dieser Blog vielleicht impliziert, habe ich meinen Fuß bei meinem ersten Besuch in Afrika nicht etwa auf südafrikanischen, sondern auf ägyptischen Boden gesetzt. Damals steckte das Internet jedoch noch in den Kinderschuhen bzw. war noch nicht bis in unseren Haushalt vorgedrungen, weshalb ich darüber online nicht berichtet habe. Aber wir haben ein schönes Erinnerungsbuch gebastelt, das jetzt irgendwo in Stuttgart in meinem alten Kinderzimmer verstaubt. Ich versuche trotzdem einmal meine Erinnerungen aufzuschreiben:

Unsere Schule hat jedes Jahr für die elfte Klasse einen Schüleraustausch angeboten. Anders als die ganzen Sprachaufenthalte handelte es sich bei diesem jedoch mehr um einen Kulturaustausch, denn das Reiseziel lautete Kairo. Ich habe nicht lange gezögert und mich mit ein paar Freunden für den Austausch beworben. Und schon bald wurden uns unsere Austauschpartner zugeteilt. Diese kamen alle von der deutschen evangelischen Oberschule in Kairo, einer Privatschule, auf der auf deutsch unterrichtet wird. Zu Sprachproblemen sollte es also schon einmal nicht kommen, denn fast alle sprachen fließend deutsch. Im Sommer 2001 kamen die Ägypter uns dann in Deutschland besuchen und wir verbrachten eine wirklich schöne Zeit. Viele von unseren Austauschpartnern waren zum ersten Mal in Deutschland, durften die europäische Kultur kennen lernen, waren überrascht, wie grün hier alles ist und sind bei ihrem ersten Gewitter vor Angst unter die Tische gekrochen. Ende September 2001 sollte dann unser Gegenbesuch in Kairo anstehen, doch es kam anders. Am 11. September 2001 haben die islamistischen Gotteskrieger (oder waren es doch die Amerikaner selber??!) die Türme des World Trade Centers in Schutt und Asche gelegt. Plötzlich hatte die ganze Welt Angst vor islamisch geprägten Staaten. Die Propaganda der USA hatte gefruchtet. Es gab ein Krisentreffen mit Eltern, Schülern und Lehrern. Obwohl sich die meisten Schüler und ihre Eltern gegen eine Absage des Kairo-Trips und damit gegen die Panikmache aussprachen, hat die Schulleitung den Gegenbesuch abgeblasen. Was waren wir enttäuscht. Ein paar Wochen später hatte sich die Lage jedoch wieder etwas beruhigt und es wurde uns ein Gegenbesuch im darauffolgenden Jahr in Aussicht gestellt. Und tatsächlich, im Februar 2002 standen wir dann alle mit gepackten Koffern am Flughafen und ich freute mich wie Bolle auf meinen ersten Flug und die zwei Wochen in Kairo.

Beim Landeanflug in Kairo haben wir schon einen ersten Blick auf die Pyramiden, die Wüste und das fruchtbare Nildelta werfen können. Wir wurden von unseren Austauschpartner abgeholt und mein Austauschpartner Malek hat mich und einen Freund im eigenen Auto nach Hause gefahren. Wir sind in Maleks Auto fast tausend Tode gestorben, denn Malek fuhr wie die gesengte Sau durch den dichten Kairoer Verkehr. Die Stadt wirkt riesig, mit Millionen von Menschen, überall laufen Schafe und Ziegen durch die Gegend, die Straßen sind verstopft mit hupenden und alten Autos, arme Leute liegen im Dreck, riesige prunkvolle Bauten rauben einem den Atem. Die Schere von Arm und Reich ist hier weit geöffnet. Der Besuch der Deutschen Schule in Kapstadt kostet eine ganze Menge Geld und so waren wir eher in Familien der oberen Mittel- bzw. Oberschicht untergebracht. Manche meine Mitschüler wohnten in einer Villa mit Pool und wurden jeden Morgen vom Chauffeur zur Schule gefahren. Malek und seine Familie wohnte jedoch in einer kleinen Wohnung im ersten Stock eines gewöhnlichen Wohnkomplexes. Zwar hatte die Familie eine Köchin und Putzfrau, doch das war alles an Luxus, was sich die Familie meines Austauschpartners leisten konnte.

Am Abend trafen wir uns alle in einem Café am Nil und haben unsere erste ägyptische Shisha geraucht. Der fruchtige Geschmack der Wasserpfeife hat uns die ganzen zwei Wochen begleitet und ich bin auch mit einer Shisha, die ich auf dem Basar erstanden hatte, wieder nach Hause gereist und habe noch oft mit meinen Freunden den arabischen Genuss aufleben lassen.

Das Wetter war während der ganzen 2 Wochen angenehm warm und das Quecksilber erreichte Temperaturen zwischen 15 und 25°C. Über ein verlängertes Wochenende sind wir auf die Halbinsel Sinai gefahren, um dort mitten in der Nacht auf den heiligen Berg Sinai zu pilgern, auf dem Moses die 10 Gebote empfangen haben soll. In der Wüste ist das Quecksilber nachts auf unter Null Grad abgefallen und so haben wir uns, oben angekommen, mit Rum und Decken aufgewärmt. Dann ist endlich die Sonne aufgegangen und uns hat sich ein atemberaubender Anblick eröffnet. Vereinzelte Wolken, die noch zwischen den Berggipfeln hingen wurden von den Sonnenstrahlen durchbrochen und eine zentralafrikanische Pilgergruppe hat wunderschöne Gospellieder angestimmt. Dann ging es auch schon bald wieder runter zum Katharinenkloster, denn schon um 10:00 Uhr stieg die Temperatur auf heiße 35°C. Das reichte zwar nicht, um den brennenden Dornenbusch im Kloster noch einmal zu entfachen, sorgte jedoch für den ein oder anderen Sonnenbrand auf unserer vom deutschen Winter ausgebleichten Haut. Das Wochenende haben wir dann in Dahab am Roten Meer ausklingen lassen, wo wir die Seele baumeln und im roten Meer baden konnten.

Während unserer Zeit in Kairo haben wir das vielfältige kulturelle Angebot in Anspruch genommen, haben die Pyramiden von Gizeh und Sakkara sowie diverse Moscheen und Museen besucht, auf einem Basar das Feilschen gelernt, die riesige Stadt auf dem Cairo Tower von oben bewundert, das koptische Viertel kennen gelernt und und und. Ich kann mich garnicht mehr an alles erinnern. Viel zu viele ungewöhnliche und neue Eindrücke sind auf uns eingeprasselt. Ansonsten haben wir des Öfteren dem Unterricht in der Deutschen Schule beigewohnt, sind nachmittags und abends in der Gruppe mit unseren Austauschpartnern ausgegangen, haben das vielfältige Freizeitangebot genossen und es uns gut gehen lassen. Einmal während der zwei Wochen haben sich die Himmelsschleusen geöffnet und es hat mal kurz geregnet. Binnen Minuten stand die gesamte Stadt unter Wasser, da die Kanalisation den Regenmassen nicht wirklich gewappnet ist. Wir saßen gerade in einem Taxi und wollten in ein Kino fahren. Die Fahrt hat ingesamt 2 Stunden gedauert. Am nächsten Morgen konnte man aber die Stadt einmal ohne Smog und Staub bewundern, der sonst in Kairo permanent in der stickigen Luft hängt.

Es waren zwei wunderschöne Wochen. Und wir waren total traurig, als es hieß, Abschied zu nehmen. Natürlich haben wir uns versprochen, uns gegenseitig zu besuchen, jedoch hat dies in den meisten Fällen nicht geklappt und ich habe meinen Austauschpartner Malek bis heute nicht wieder gesehen. Über Facebook konnte ich Malek jedoch wiederfinden und so weiß ich, dass er mittlerweile verheiratet ist und als

Von Malek habe ich über die Jahre eigentlich nichts mehr gehört, doch durch Facebook und Co. haben wir uns wieder gefunden und so weiß ich, dass er als Bereichsleiter eines Produzenten für Laborbedarf arbeitet und mittlerweile verheiratet ist.

Derweil lebe ich inzwischen am anderen Ende von Afrika in Kapstadt und erinnere mich immer gerne an die Zeit in Kairo zurück. Es war wirklich ein schönes erstes Mal in Afrika. Meine Eindrücke vom zweiten Mal in Afrika könnt ihr übrigens im Folgenden lesen: Erste Eindrücke von Kapstadt.

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